Wie weit ist zu weit? Für einen Supermarkt sind es vielleicht zehn Minuten, für ein Möbelhaus eine Dreiviertelstunde, für einen Servicetechniker die im Vertrag zugesagte Stunde. Eine Erreichbarkeitsanalyse beantwortet diese Frage für Ihre Standorte, Kunden und Mitarbeiter – nicht mit einem Kreis auf der Karte, sondern mit Isochronen und Fahrzeitzonen über das tatsächliche Straßennetz.
Erreichbarkeitsanalyse: Warum „wie weit“ die falsche Frage ist
Viele Entscheidungen hängen an der Erreichbarkeit: die Zusage an Servicekunden, das Einzugsgebiet einer Filiale, die Zuständigkeit von Niederlassungen, der Zuschnitt von Außendienstgebieten oder die Frage, ob ein neuer Standort genug Personal findet. Betroffen sind Handel und Gastronomie ebenso wie technischer Service, Pflegedienste und Arztpraxen, Handwerk, Großhandel mit Abholstandorten und Logistik.
Der häufigste Fehler dabei ist der Zirkel: Ein Kreis mit 20 Kilometern Radius sieht auf der Karte ordentlich aus, sagt aber wenig. Autobahnen strecken die Zone entlang der Verkehrsachsen, Flüsse ohne Brücke, Gebirge oder Seen schneiden sie ab.
Luftlinie, Fahrstrecke, Fahrzeit – drei Maße im Vergleich
| Maß | Was es misst | Geeignet für | Schwäche |
|---|---|---|---|
| Luftlinie | direkte Entfernung zwischen zwei Punkten | grobe Vorabschätzung, Umkreissuche | ignoriert Straßennetz und Barrieren |
| Fahrstrecke | Länge des Weges über das Straßennetz | Kilometerkosten, Fahrtkostenpauschalen | Autobahn- und Stadtkilometer zählen gleich |
| Fahrzeit | Dauer des Weges über das Straßennetz | Einzugsgebiete, Servicelevel, Pendelwege | hängt von Geschwindigkeitsannahmen ab |
Isochronen und Fahrzeitzonen: so entstehen sie
Eine Isochrone ist eine Linie gleicher Reisezeit um einen Standort. Die Fläche innerhalb dieser Linie ist die Fahrzeitzone. Die Software berechnet sie über das digitale Straßennetz, in dem jeder Straßenklasse eine typische Geschwindigkeit zugeordnet ist. Üblich sind gestaffelte Zonen, zum Beispiel 10, 20 und 30 Minuten.
Interessant wird es, wenn die Zonen mit Daten überlagert werden: Wie viele Kunden, Einwohner, Haushalte oder Zielbetriebe liegen in jeder Zone? Bei mehreren Standorten kommt die Zuordnung hinzu: Jede Adresse wird dem Standort zugewiesen, den sie am schnellsten erreicht. So entstehen Zuständigkeiten für Niederlassungen oder Techniker – und Lücken, in denen kein Standort die Zielzeit schafft.
Tageszeit, Verkehr und andere Verkehrsmittel
Geomarketing-Software rechnet in der Regel mit typischen Geschwindigkeiten je Straßenklasse. Wie tageszeitabhängige Verkehrslagen berücksichtigt werden, unterscheidet sich je nach Software und Datenstand. Wer Servicezusagen zu Stoßzeiten einhalten muss, rechnet deshalb mit einem Puffer oder einer zweiten Variante mit reduzierten Geschwindigkeiten.
Für Fußwege und öffentlichen Nahverkehr gelten andere Regeln. Fußwegzonen sind vor allem in Innenstädten relevant, etwa für Apotheken oder Bäckereien; oft genügen dort kleine Entfernungszonen. Erreichbarkeit mit Bus und Bahn erfordert Fahrplandaten und ist eine Spezialanalyse, die wir im Einzelfall prüfen.
Anwendungen: Servicelevel, Einzugsgebiete, Personalsuche
„In 60 Minuten beim Kunden“
Serviceverträge enthalten oft Reaktionszeiten, etwa im Servicenetz von Herstellern aus Industrie und Großhandel. Die Erreichbarkeitsanalyse zeigt, welcher Anteil der Kunden die Zusage heute erfüllt und welche Maßnahme die Quote am stärksten verbessert.
Soll umgekehrt ermittelt werden, mit wie wenigen Stützpunkten sich eine Zielzeit flächendeckend einhalten lässt, helfen Covering-Modelle – erklärt bei den Standortmodellen.
Einzugsgebiete von Filialen, Praxen und Niederlassungen
Fahrzeitzonen zeigen das realistische Einzugsgebiet eines Standorts. Überlagert mit Kaufkraft, Haushalten oder Zielbetrieben entsteht daraus das Potenzial je Standort – die Grundlage für die Filialnetzanalyse und die Standortanalyse. Konkurrieren mehrere Standorte um dieselben Kunden, reicht die Fahrzeitzone allein nicht mehr; dann hilft die Huff-Analyse.
Personalsuche im Pendelradius
Auch Mitarbeiter pendeln in Minuten, nicht in Kilometern. Wie viele Menschen im erwerbsfähigen Alter leben innerhalb von 30 Minuten um ein geplantes Lager, etwa im Rahmen einer Lagerplanung? Wo sollte ein neuer Außendienstmitarbeiter wohnen, damit sein Gebiet gut erreichbar ist? Die Fahrzeitzone liefert den Suchraum – und unser Tochterunternehmen, die p17 Consulting GmbH, unterstützt auf Wunsch bei der Personalsuche in genau diesem Radius.
Erreichbarkeit im Außendienst
Im Außendienst ist Fahrzeit die größte versteckte Kostenposition: Laut einer Studie von Huckemann und Schmitz (St. Gallen 2014) entfallen rund 26 % der Arbeitszeit im Außendienst auf Fahrten, nur 27 % auf Kundenbesuche. Eine Erreichbarkeitsanalyse zeigt, welche Kunden weit vom Wohnort des zuständigen Mitarbeiters entfernt liegen. Als Faustregel aus unseren Projekten sollten regelmäßig besuchte Kunden nicht mehr als etwa 80 bis 100 km entfernt sein – gemessen über das Straßennetz, nicht per Luftlinie. Liegen viele Kunden darüber, lohnt ein Blick auf die Gebietsplanung und die Tourenplanung. Wie sich Besuchsrhythmen, Prioritäten und Antreffquote insgesamt steuern lassen, beschreibt die Außendienststeuerung.
Welche Daten Sie brauchen
- Eigene Adressen: Standorte, Kunden oder Wohnorte der Mitarbeiter – möglichst hausgenau geokodiert, denn eine Zuordnung nur über die Postleitzahl ist für Fahrzeiten oft zu grob.
- Straßennetz: Es ist in der Geomarketing-Software enthalten; für andere Systeme liefern wir passende digitale Landkarten. Straßenentfernungen zwischen Orten als fertige Tabelle bietet das Entfernungswerk Straße (EWS).
- Potenzialdaten: Einwohner, Haushalte, Markt- und Potenzialdaten, Beschäftigte und Pendler oder Firmenadressen, je nachdem, wen Sie erreichen möchten.
- Frequenzdaten: Woher die Besucher eines Standorts tatsächlich kommen, zeigen anonymisierte, aggregierte Bewegungsdaten – eine gute Kontrolle für berechnete Einzugsgebiete. Passende Quellen vermitteln wir herstellerneutral über Markt- und Adressdaten der p17 GmbH.
Werkzeuge für Erreichbarkeitsanalysen
- easymap professional berechnet Fahrtstrecken, Fahrtzeiten und Isochronen und ermittelt alle Adressen in den Zonen. Die hausgenaue Geokodierung ist über mitgelieferte Credits enthalten.
- RegioGraph Planning bietet Fahrtzeitzonen, Einzugsgebiete und Gebietsplanung nach Erreichbarkeit.
- RegioGraph Strategy ergänzt eine Entfernungsmatrix für viele Standorte und Kunden sowie Gravitationsmodelle.
Die Einstiegseditionen easymap office und RegioGraph Analysis berechnen keine Fahrzeitzonen. In QGIS sind Isochronen über Erweiterungen und Online-Dienste möglich, erfordern aber Einarbeitung. Für einmalige Fragen ist ein Projekt oder unser Geomarketing-Service meist wirtschaftlicher als eine Lizenz.
Grenzen der Erreichbarkeitsanalyse
Eine Fahrzeitzone zeigt, wer einen Standort erreichen kann – nicht, wer tatsächlich kommt. Kunden kaufen auf dem Weg zur Arbeit ein, bleiben einem Anbieter treu oder fahren am nächsten Standort vorbei zu einem attraktiveren. Zudem beruhen Fahrzeiten auf Annahmen, die Sie kennen und dokumentieren sollten. Die Erreichbarkeitsanalyse ist deshalb eine hervorragende Grundlage, die mit Kundendaten, Frequenzen oder einem Gravitationsmodell ergänzt werden sollte, sobald es um Umsätze und Marktanteile geht.
Ein weiterer typischer Fehler liegt in der Geokodierung: Werden Kunden nur über den Mittelpunkt ihres Postleitzahlgebiets verortet, können sich Fahrzeiten in ländlichen Regionen um viele Minuten verschieben. Für Servicezusagen und Pendelradien sollten Adressen deshalb hausgenau auf der Karte liegen. Und schließlich: Eine Zone ist nur so gut wie ihr Zielwert. Ob 20 oder 30 Minuten das richtige Einzugsgebiet beschreiben, zeigt erst der Abgleich mit der tatsächlichen Kundenherkunft.
Sie möchten Ihre Erreichbarkeit prüfen lassen, ohne selbst Software anzuschaffen? Wir übernehmen die Analyse als Projekt, liefern Karten und Auswertungen und beraten Sie herstellerneutral, welches Werkzeug sich für die laufende Nutzung lohnt.