Geomarketing in der Logistik beantwortet Fragen, die jede Spedition, jeder KEP- und Kurierdienst, jeder Entsorger und jeder Großhändler mit eigenem Fuhrpark kennt: Welche Postleitzahl gehört zu welchem Depot? Welcher Tarif gilt für eine Sendung an die Küste, welcher für eine ins Allgäu? Bis wohin hält die Zusage „Zustellung am nächsten Werktag“? Solche Fragen entscheiden über Kosten, Preise und Kundenzufriedenheit – und sie lassen sich auf der Karte deutlich besser beantworten als in über Jahre gewachsenen Tabellen.
Typische Wo-Fragen in Transport und Logistik
- Welche Postleitzahlen bilden eine Tarif- oder Preiszone, und wie erklären wir sie unseren Kunden?
- Welches Depot bedient welche Region am günstigsten – und passt die Menge zur Hallenkapazität?
- Wo fehlt ein Umschlagpunkt, ein Hub oder ein Lager?
- Welche Regionen erreichen wir innerhalb unseres Lieferzeitversprechens, welche nicht?
- Wo fahren Fahrzeuge halb leer, und wo reicht die Kapazität nicht aus?
- Wo sitzen Verlader, die gut in unser Netz passen würden?
Geomarketing Logistik: vom Tarif bis zum Tourengebiet
Tarif- und Preiszonen nach Postleitzahl
Zonen sind die Brücke zwischen Geografie und Preis. Grundlage kann die Luftlinie, die Straßenentfernung oder die Fahrzeit ab Depot sein; für Angebot und Faktura entsteht daraus eine Tabelle, die jeder Postleitzahl eine Zone zuordnet. Die passende Zonenkarte für Angebote und Kunden gestalten wir auf Wunsch über den Service Karten erstellen lassen. Im Stückgut arbeiten viele Tarife mit Relationen zwischen Abgangs- und Empfangsregion, häufig auf Basis 2-stelliger Postleitzahlen. Kurier- und Expressdienste rechnen dagegen gern in Zonen rund um den eigenen Standort aus 5-stelligen Postleitzahlen. Sonderfälle gehören ausdrücklich in die Planung: Inseln, Orte, die nur über eine Fähre oder einen langen Umweg erreichbar sind, und Grenzregionen. Bei grenzüberschreitenden Verkehren kommen Postleitzahlsysteme hinzu, die anders aufgebaut sind als das deutsche; einen Überblick über die Formate der Nachbarländer gibt die Seite Expansion ins Ausland.
Depotzuordnung und Liefergebiete
Jedes Depot, jeder Umschlagpunkt und jedes Lager braucht ein klar abgegrenztes Gebiet für Zustellung und Abholung. Gewachsene Zuordnungen folgen oft Landkreisen oder alten Gewohnheiten; nach einem Autobahnausbau, einem neuen Depot oder der Übernahme eines Wettbewerbers passen sie nicht mehr. Wir berechnen die Zuordnung neu – nach Fahrzeit, Sendungsmenge sowie der Kapazität von Hallen und Fahrzeugen – und zeigen die Hauptläufe zwischen den Standorten als Warenströme auf der Karte. Wie Zuordnungsverfahren mit Kapazitätsgrenzen arbeiten, erklären die Methoden der Gebietsplanung.
Lager-, Depot- und Hubstandorte
Ob zusätzliches Depot, neues Regionallager oder die Zusammenlegung zweier Standorte: Die Standortfrage lässt sich mit bewährten Modellen strukturieren. Das p-Median-Modell minimiert die Summe aller mengengewichteten Wege, das p-Center-Modell die längste Anfahrt, Covering-Modelle suchen die wenigsten Standorte, mit denen alle Kunden innerhalb einer Frist erreichbar sind. Hinzu kommen Kapazitäten, Flächen, Kosten und der Arbeitsmarkt im Pendelbereich.
Die Modelle erklären wir ausführlich bei den Standortmodellen, die Umsetzung bei der Lagerplanung.
Erreichbarkeit und Lieferzeitversprechen
Ein Lieferzeitversprechen ist eine Kette von Uhrzeiten: Abfahrt des Hauptlaufs, Ankunft im Depot, Sortierschluss, Start der Zustelltour, letzter Stopp. Fahrzeitzonen zeigen, welche Regionen im Takt liegen – und wo das Versprechen nur mit kürzeren Touren oder einem näheren Umschlagpunkt zu halten ist. Mehr dazu bei der Erreichbarkeitsanalyse.
Mengen, Kapazitäten und Tourengebiete
Sendungen, Paletten oder Stopps je Postleitzahl zeigen, wo Kapazität fehlt und wo Fahrzeuge halb leer unterwegs sind – am besten mit Daten aus zwölf Monaten, damit Saisonspitzen sichtbar werden. Daraus entstehen Tourengebiete mit vergleichbarer Menge: Zustellbezirke im KEP-Geschäft, Abfuhrbezirke mit festen Wochentagen bei Entsorgern, Liefergebiete mit festen Liefertagen im Großhandel. Wie das im Detail funktioniert, zeigt die Logistikplanung.
Die Mengenkarte hilft auch dem Vertrieb. Kommen Fahrzeuge aus einer Region regelmäßig leer zurück oder ist ein Depot nur zur Hälfte ausgelastet, lohnt gezielte Neukundengewinnung genau dort. Mit Firmenadressen nach Branche und Größe entsteht eine Liste möglicher Verlader entlang der bestehenden Relationen – Neukunden, die das Netz füllen, statt neue Umwege zu verursachen.
Übergang zur operativen Tourenplanung
Geomarketing schafft den strategischen Rahmen. Die tägliche Disposition ist eine andere Aufgabe: Sie verteilt die aktuellen Aufträge auf Fahrzeuge und berücksichtigt dabei Zeitfenster, Mengen und Ladekapazitäten, viele Fahrzeuge gleichzeitig und Anforderungen wie Kühlkette, Hebebühne oder Gefahrgutschulung des Fahrers. Dafür gibt es spezialisierte Tourenplanungs- und Dispositionssysteme, die wir herstellerneutral einordnen. Worin sich strategische, taktische und operative Planung unterscheiden, erklären die Grundlagen der Tourenplanung und die Seite Tourenplanung. Die Faustregel aus unseren Projekten: Ein schlecht geschnittenes Depotgebiet kann auch die beste Tagesoptimierung nicht reparieren.
Daten für Logistik und Transport
- Digitale Landkarten: 5- und 2-stellige Postleitzahlen, Gemeinden und Kreise, für Deutschland, Europa und weitere Länder – als Ebene für easymap und RegioGraph oder als Shapefile und GeoJSON für TMS, ERP und BI, siehe digitale Landkarten.
- Eigene Sendungsdaten: Mengen je Postleitzahl oder geokodierter Adresse, Abgangs- und Empfangsorte, Zeitfenster, Fahrzeuge und Depots.
- Straßennetz und Fahrzeiten: in der Software enthalten; weil ein Lkw langsamer unterwegs ist als ein Pkw, lohnt ein Abgleich mit realen Tourdaten.
- Straßenentfernungen als Tabelle: Das Entfernungswerk Straße (EWS) liefert Lkw-Entfernungen zwischen Orten in Deutschland und Europa, optional mit Mautkilometern – die gängige Grundlage für Tarife, Angebotskalkulation und Frachtprüfung.
- Firmenadressen: Produzierende Betriebe und Großhändler nach Branche und Größe zeigen, wo zusätzliche Verlader sitzen – siehe Firmenadressen.
- Arbeitsmarktdaten: Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter und Beschäftigte im Pendelbereich eines neuen Standorts, siehe Marktdaten.
Werkzeuge
- easymap office stellt Kunden, Mengen und Lieferströme auf der Karte dar.
- easymap professional berechnet zusätzlich Fahrzeiten, Fahrzeitzonen und Routen und plant Gebiete automatisch.
- RegioGraph Planning plant Gebiete nach Erreichbarkeit und Maximalwerten, berechnet Fahrtzeitzonen und stellt Warenströme dar; eine 2-stellige Postleitzahlenkarte für Europa ist im Standard enthalten.
- RegioGraph Strategy ergänzt Entfernungsmatrix und Warenstromanalyse für Standortvergleiche.
- Power BI zeigt fertige Zonen und Depotgebiete über eine Zuordnungstabelle Postleitzahl → Zone im Reporting.
- Geomarketing als Service: Sie liefern die Sendungsdaten, wir liefern Zonen, Zuordnungstabellen und Karten – siehe Geomarketing-Service.
Empfängeradressen von Privatpersonen sind personenbezogene Daten. Für strategische Planungen genügen fast immer Mengen je Postleitzahl; verarbeiten wir dennoch Adressdaten, geschieht das auf Basis eines Vertrags zur Auftragsverarbeitung.