Logistikplanung: Wo müssen welche Touren liegen?
Liefergebiete wachsen selten nach Plan. Neue Kunden werden an bestehende Touren angehängt, ein Fahrer übernimmt „noch schnell“ einen Ort aus dem Nachbargebiet, ein Großkunde verändert die Mengen – und nach einigen Jahren kreuzen sich die Touren, manche Fahrzeuge sind voll, andere fahren halb leer durch die Region. Eine strategische Logistikplanung stellt deshalb die Grundfrage neu: Wo müssen welche Touren liegen, an welchen Tagen wird wo geliefert, und wie viele Fahrzeuge braucht es dafür?
Typische Anlässe sind Wachstum oder der Verlust großer Kunden, ein neues Lager oder Depot, steigende Kosten und fehlende Fahrer, ein neues Lieferzeitversprechen oder die Umstellung von Lieferrhythmen. Betroffen sind Großhändler für Getränke, Lebensmittel, Baustoffe oder technische Produkte ebenso wie Textilservice, Entsorgungsbetriebe, die Filialbelieferung von Bäckereien und Handelsketten oder Hersteller mit eigenem Fuhrpark.
Strategische Logistikplanung und operative Tagesroutenplanung
Bei der Tourenplanung in der Logistik werden zwei Ebenen oft vermischt:
| Ebene | Leitfrage | Zeithorizont | Typische Werkzeuge |
|---|---|---|---|
| Strategisch | Wie werden Liefer- und Tourengebiete geschnitten, welche Liefertage gelten, wie viele Fahrzeuge sind nötig? | Monate bis Jahre | Geomarketing-Software wie easymap oder RegioGraph |
| Operativ | Welches Fahrzeug fährt morgen welche Stopps in welcher Reihenfolge – mit aktueller Auftragslage, Beladung und Zeitfenstern? | Tag bis Woche | spezialisierte Tourenplanungs- und Dispositionssysteme |
Diese Seite behandelt die strategische Ebene – das Fundament. Eine noch so gute Tagesoptimierung kann schlecht geschnittene Gebiete nur begrenzt ausgleichen: Liegen die Kunden eines Liefertags verstreut über die ganze Region, lässt sich das im Tagesgeschäft kaum reparieren. Umgekehrt ersetzt eine strategische Gebietsstruktur nicht die tägliche Disposition. Planungshorizonte und Fachbegriffe im Überblick erklären die Grundlagen der Tourenplanung. Geht es nicht um Warenlieferungen, sondern um Besuchstouren von Vertrieb oder Kundendienst, finden Sie die passende Methode bei der Tourenplanung im Außendienst.
Liefergebiete planen: die Methode
Zustellbezirke aus Flächen bilden
Liefergebiete werden aus Flächen zusammengesetzt – je nach Dichte aus Postleitzahlen, Gemeinden oder in Städten aus feineren Einheiten wie GEOmarkets oder 8-stelligen Postleitzahlen. Ziel sind kompakte, zusammenhängende Tourengebiete mit vergleichbarer Last: ähnliche Menge, ähnliche Zahl an Stopps, machbare Fahrzeit – dieselben Kriterien wie bei den Methoden der Gebietsplanung. Flüsse mit wenigen Brücken, Gebirge oder schlecht angebundene Täler gehören in die Planung, denn sie trennen Gebiete oft wirksamer als jede Verwaltungsgrenze. Die passenden Gebietsebenen finden Sie bei den digitalen Landkarten.
Liefertage und Rhythmen festlegen
Jedes Tourengebiet erhält feste Liefertage, etwa das Gebiet Nord montags und donnerstags, das Gebiet West dienstags und freitags. Kunden können so verlässlich bestellen, und der Bestellschluss lässt sich klar kommunizieren. Das Prinzip ähnelt den kompakten Tagesgebieten aus der Außendienstplanung: Alle Kunden eines Tages liegen nah beieinander. Unterschiedliche Rhythmen – täglich, wöchentlich, vierzehntägig – werden so verteilt, dass jeder Liefertag etwa gleich ausgelastet ist.
Fahrzeugkapazitäten und Zeitfenster berücksichtigen
Ein Tourengebiet muss zu den Fahrzeugen passen. Die Menge je Liefertag – in Paletten, Gewicht, Volumen oder Stopps – darf die verfügbare Kapazität nicht überschreiten. Hinzu kommen Zeitfenster: Bäckereifilialen wollen früh am Morgen beliefert werden, Gastronomie am Vormittag, Einzelhandel vor Ladenöffnung, Baustellen erst ab Arbeitsbeginn. Zusammen mit Schichtzeiten sowie Lenk- und Ruhezeiten der Fahrer ergibt sich daraus, wie weit ein Gebiet vom Lager entfernt liegen darf.
Szenarien vergleichen
Die Stärke der Geomarketing-Software liegt im Vergleich von Varianten: vier statt fünf Liefertage, ein zusätzliches Fahrzeug, ein weiterer Umschlagpunkt, ein neuer Großkunde. Jede Variante wird auf der Karte sichtbar und in Fahrzeiten, Kilometern und Auslastung bewertet. Zeigt sich, dass ganze Regionen vom bestehenden Lager aus nicht sinnvoll erreichbar sind, wird aus der Tourenfrage eine Standortfrage – dann hilft die Lagerplanung weiter. Wie weit man von einem Standort in welcher Zeit kommt, zeigt die Erreichbarkeitsanalyse.
Welche Daten Sie brauchen
- Kundenadressen, möglichst hausgenau geokodiert, mit Lieferrhythmus und Zeitfenster,
- Mengen je Kunde und Lieferung – Paletten, Gewicht, Volumen oder Stopps –, idealerweise aus zwölf Monaten, damit Saisonspitzen sichtbar werden,
- Fahrzeuge und Personal: Anzahl, Kapazität, Schichtzeiten,
- Lager- und Depotstandorte als Start- und Endpunkte der Touren,
- Straßennetz und Fahrzeiten, die in der Software enthalten sind. Weil ein schwerer Lkw langsamer unterwegs ist als ein Pkw, lohnt ein Abgleich mit realen Tourdaten.
Karten für die Gebietsbildung liefern wir als digitale Landkarten. Für Frachtberechnung und Tarife auf Basis von Straßenkilometern gibt es mit dem Entfernungswerk Straße (EWS) eine fertige Entfernungstabelle zwischen den Orten Deutschlands und Europas. Wer neue Kunden entlang bestehender Touren sucht, findet sie über Firmenadressen – mehr dazu bei der Neukundengewinnung.
Welche Werkzeuge passen?
- easymap professional geokodiert hausgenau, berechnet Fahrtstrecken, Fahrzeiten und Erreichbarkeiten und plant Gebiete automatisch mit Blick auf die Arbeitslast. Mit dem Tourenplanungs-Add-on kommen strategische Rahmentouren für bis zu 52 Wochen hinzu – mit Rhythmen, Auslastungsberechnung und Auswertung nach Fahrtzeit oder Strecke. Offen gesagt: Das Add-on ist für Außendienst und Servicetechniker entwickelt. In der Logistik passt es für wiederkehrende Rahmentouren mit festen Rhythmen, nicht für die tägliche Disposition mit Beladung und Zeitfenstern.
- RegioGraph Planning plant Gebiete nach Erreichbarkeit, Kundenpunkten und Maximalwerten, berechnet Fahrtzeitzonen und stellt Warenströme dar.
- RegioGraph Strategy ergänzt eine Entfernungsmatrix, mit der sich Fahrzeiten und Strecken zwischen allen Lagern und Kunden berechnen und vergleichen lassen, sowie die Warenstromanalyse.
- Power BI bildet die fertigen Liefergebiete über eine Zuordnungstabelle Postleitzahl → Gebiet im Reporting ab.
- Operative Tourenplanung: Für die tägliche Disposition sind spezialisierte Systeme die richtige Wahl. Welches zu Ihrem Fuhrpark passt, besprechen wir gern neutral mit Ihnen.
Wann das nicht reicht
- Stark schwankende Tagesaufträge, etwa bei Kurierdiensten, brauchen vor allem operative Optimierung; strategische Gebiete geben nur den Rahmen.
- Besondere Anforderungen wie Kühlkette, Gefahrgut oder Mehrkammerfahrzeuge gehören in die Disposition.
- Schlechte Adressdaten verfälschen jede Planung – die Geokodierung ist deshalb der erste Prüfstein.
Sie möchten Ihre Liefergebiete neu ordnen, aber keine eigene Software einführen? Dann übernehmen wir die Planung als Geomarketing-Service und liefern Gebietskarten, Zuordnungstabellen und Auswertungen, die Ihre Disposition direkt nutzen kann.