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Liefergebiete planen mit Geomarketing

Logistikplanung: Liefergebiete und Tourengebiete strategisch planen

Wo müssen welche Touren liegen? Eine strategische Logistikplanung schneidet Liefer- und Tourengebiete so, dass Fahrzeuge ausgelastet, Liefertage verlässlich und Wege kurz sind – als Fundament für die tägliche Disposition.

Beispiel: Rahmentourenplan mit drei Tagestouren

Was eine strategische Logistikplanung berücksichtigt

Gute Tourengebiete entstehen, wenn Menge, Zeit und Raum zusammen betrachtet werden – nicht nacheinander.

Zustellbezirke

Kompakte Liefergebiete aus Postleitzahlen, Gemeinden oder feineren Einheiten – mit vergleichbarer Menge und machbarer Fahrzeit.

Liefertage

Feste Liefertage je Gebiet machen Bestellungen planbar und verteilen die Last gleichmäßig auf die Woche.

Fahrzeugkapazitäten

Die Menge je Liefertag und Gebiet passt zu Palettenplätzen, Gewicht und Anzahl der Fahrzeuge.

Zeitfenster

Anlieferzeiten der Kunden, Schichtzeiten sowie Lenk- und Ruhezeiten bestimmen, wie weit ein Gebiet reichen darf.

Fahrzeiten statt Luftlinie

Fahrzeiten im Straßennetz zeigen, welche Gebiete sich tatsächlich in einer Schicht bedienen lassen.

Szenarien

Varianten wie zusätzliche Fahrzeuge, andere Liefertage oder ein neues Depot werden vergleichbar – bevor Sie umstellen.

Logistikplanung: Wo müssen welche Touren liegen?

Liefergebiete wachsen selten nach Plan. Neue Kunden werden an bestehende Touren angehängt, ein Fahrer übernimmt „noch schnell“ einen Ort aus dem Nachbargebiet, ein Großkunde verändert die Mengen – und nach einigen Jahren kreuzen sich die Touren, manche Fahrzeuge sind voll, andere fahren halb leer durch die Region. Eine strategische Logistikplanung stellt deshalb die Grundfrage neu: Wo müssen welche Touren liegen, an welchen Tagen wird wo geliefert, und wie viele Fahrzeuge braucht es dafür?

Typische Anlässe sind Wachstum oder der Verlust großer Kunden, ein neues Lager oder Depot, steigende Kosten und fehlende Fahrer, ein neues Lieferzeitversprechen oder die Umstellung von Lieferrhythmen. Betroffen sind Großhändler für Getränke, Lebensmittel, Baustoffe oder technische Produkte ebenso wie Textilservice, Entsorgungsbetriebe, die Filialbelieferung von Bäckereien und Handelsketten oder Hersteller mit eigenem Fuhrpark.

Strategische Logistikplanung und operative Tagesroutenplanung

Bei der Tourenplanung in der Logistik werden zwei Ebenen oft vermischt:

Ebene Leitfrage Zeithorizont Typische Werkzeuge
Strategisch Wie werden Liefer- und Tourengebiete geschnitten, welche Liefertage gelten, wie viele Fahrzeuge sind nötig? Monate bis Jahre Geomarketing-Software wie easymap oder RegioGraph
Operativ Welches Fahrzeug fährt morgen welche Stopps in welcher Reihenfolge – mit aktueller Auftragslage, Beladung und Zeitfenstern? Tag bis Woche spezialisierte Tourenplanungs- und Dispositionssysteme

Diese Seite behandelt die strategische Ebene – das Fundament. Eine noch so gute Tagesoptimierung kann schlecht geschnittene Gebiete nur begrenzt ausgleichen: Liegen die Kunden eines Liefertags verstreut über die ganze Region, lässt sich das im Tagesgeschäft kaum reparieren. Umgekehrt ersetzt eine strategische Gebietsstruktur nicht die tägliche Disposition. Planungshorizonte und Fachbegriffe im Überblick erklären die Grundlagen der Tourenplanung. Geht es nicht um Warenlieferungen, sondern um Besuchstouren von Vertrieb oder Kundendienst, finden Sie die passende Methode bei der Tourenplanung im Außendienst.

Liefergebiete planen: die Methode

Zustellbezirke aus Flächen bilden

Liefergebiete werden aus Flächen zusammengesetzt – je nach Dichte aus Postleitzahlen, Gemeinden oder in Städten aus feineren Einheiten wie GEOmarkets oder 8-stelligen Postleitzahlen. Ziel sind kompakte, zusammenhängende Tourengebiete mit vergleichbarer Last: ähnliche Menge, ähnliche Zahl an Stopps, machbare Fahrzeit – dieselben Kriterien wie bei den Methoden der Gebietsplanung. Flüsse mit wenigen Brücken, Gebirge oder schlecht angebundene Täler gehören in die Planung, denn sie trennen Gebiete oft wirksamer als jede Verwaltungsgrenze. Die passenden Gebietsebenen finden Sie bei den digitalen Landkarten.

Liefertage und Rhythmen festlegen

Jedes Tourengebiet erhält feste Liefertage, etwa das Gebiet Nord montags und donnerstags, das Gebiet West dienstags und freitags. Kunden können so verlässlich bestellen, und der Bestellschluss lässt sich klar kommunizieren. Das Prinzip ähnelt den kompakten Tagesgebieten aus der Außendienstplanung: Alle Kunden eines Tages liegen nah beieinander. Unterschiedliche Rhythmen – täglich, wöchentlich, vierzehntägig – werden so verteilt, dass jeder Liefertag etwa gleich ausgelastet ist.

Fahrzeugkapazitäten und Zeitfenster berücksichtigen

Ein Tourengebiet muss zu den Fahrzeugen passen. Die Menge je Liefertag – in Paletten, Gewicht, Volumen oder Stopps – darf die verfügbare Kapazität nicht überschreiten. Hinzu kommen Zeitfenster: Bäckereifilialen wollen früh am Morgen beliefert werden, Gastronomie am Vormittag, Einzelhandel vor Ladenöffnung, Baustellen erst ab Arbeitsbeginn. Zusammen mit Schichtzeiten sowie Lenk- und Ruhezeiten der Fahrer ergibt sich daraus, wie weit ein Gebiet vom Lager entfernt liegen darf.

Szenarien vergleichen

Die Stärke der Geomarketing-Software liegt im Vergleich von Varianten: vier statt fünf Liefertage, ein zusätzliches Fahrzeug, ein weiterer Umschlagpunkt, ein neuer Großkunde. Jede Variante wird auf der Karte sichtbar und in Fahrzeiten, Kilometern und Auslastung bewertet. Zeigt sich, dass ganze Regionen vom bestehenden Lager aus nicht sinnvoll erreichbar sind, wird aus der Tourenfrage eine Standortfrage – dann hilft die Lagerplanung weiter. Wie weit man von einem Standort in welcher Zeit kommt, zeigt die Erreichbarkeitsanalyse.

Welche Daten Sie brauchen

  • Kundenadressen, möglichst hausgenau geokodiert, mit Lieferrhythmus und Zeitfenster,
  • Mengen je Kunde und Lieferung – Paletten, Gewicht, Volumen oder Stopps –, idealerweise aus zwölf Monaten, damit Saisonspitzen sichtbar werden,
  • Fahrzeuge und Personal: Anzahl, Kapazität, Schichtzeiten,
  • Lager- und Depotstandorte als Start- und Endpunkte der Touren,
  • Straßennetz und Fahrzeiten, die in der Software enthalten sind. Weil ein schwerer Lkw langsamer unterwegs ist als ein Pkw, lohnt ein Abgleich mit realen Tourdaten.

Karten für die Gebietsbildung liefern wir als digitale Landkarten. Für Frachtberechnung und Tarife auf Basis von Straßenkilometern gibt es mit dem Entfernungswerk Straße (EWS) eine fertige Entfernungstabelle zwischen den Orten Deutschlands und Europas. Wer neue Kunden entlang bestehender Touren sucht, findet sie über Firmenadressen – mehr dazu bei der Neukundengewinnung.

Welche Werkzeuge passen?

  • easymap professional geokodiert hausgenau, berechnet Fahrtstrecken, Fahrzeiten und Erreichbarkeiten und plant Gebiete automatisch mit Blick auf die Arbeitslast. Mit dem Tourenplanungs-Add-on kommen strategische Rahmentouren für bis zu 52 Wochen hinzu – mit Rhythmen, Auslastungsberechnung und Auswertung nach Fahrtzeit oder Strecke. Offen gesagt: Das Add-on ist für Außendienst und Servicetechniker entwickelt. In der Logistik passt es für wiederkehrende Rahmentouren mit festen Rhythmen, nicht für die tägliche Disposition mit Beladung und Zeitfenstern.
  • RegioGraph Planning plant Gebiete nach Erreichbarkeit, Kundenpunkten und Maximalwerten, berechnet Fahrtzeitzonen und stellt Warenströme dar.
  • RegioGraph Strategy ergänzt eine Entfernungsmatrix, mit der sich Fahrzeiten und Strecken zwischen allen Lagern und Kunden berechnen und vergleichen lassen, sowie die Warenstromanalyse.
  • Power BI bildet die fertigen Liefergebiete über eine Zuordnungstabelle Postleitzahl → Gebiet im Reporting ab.
  • Operative Tourenplanung: Für die tägliche Disposition sind spezialisierte Systeme die richtige Wahl. Welches zu Ihrem Fuhrpark passt, besprechen wir gern neutral mit Ihnen.

Wann das nicht reicht

  • Stark schwankende Tagesaufträge, etwa bei Kurierdiensten, brauchen vor allem operative Optimierung; strategische Gebiete geben nur den Rahmen.
  • Besondere Anforderungen wie Kühlkette, Gefahrgut oder Mehrkammerfahrzeuge gehören in die Disposition.
  • Schlechte Adressdaten verfälschen jede Planung – die Geokodierung ist deshalb der erste Prüfstein.

Sie möchten Ihre Liefergebiete neu ordnen, aber keine eigene Software einführen? Dann übernehmen wir die Planung als Geomarketing-Service und liefern Gebietskarten, Zuordnungstabellen und Auswertungen, die Ihre Disposition direkt nutzen kann.

So läuft eine Logistikplanung ab

  1. Ziele und Rahmen klärenWir klären, was die Planung leisten soll – weniger Kilometer, gleichmäßige Auslastung, ein neues Lieferversprechen – und welche Regeln gelten.
  2. Daten aufbereitenKundenadressen werden geokodiert und mit Mengen, Rhythmen, Zeitfenstern und Fahrzeugdaten verknüpft.
  3. Ist-Zustand sichtbar machenBestehende Touren und Gebiete kommen auf die Karte. Überschneidungen, Leerfahrten und ungleiche Auslastung werden sichtbar.
  4. Liefergebiete bildenAus Flächen entstehen kompakte Tourengebiete mit vergleichbarer Last, die zu Kapazitäten und Schichtzeiten passen.
  5. Liefertage zuordnenJedes Gebiet erhält feste Liefertage; Rhythmen werden so verteilt, dass jeder Tag gleichmäßig ausgelastet ist.
  6. Szenarien vergleichen und übergebenVarianten werden bewertet, die beste wird mit Karten und Zuordnungstabellen an die Disposition übergeben.

Praxisbeispiele zur Logistikplanung

Getränkefachgroßhandel

Feste Liefertage für die Gastronomie

Ein Getränkegroßhändler beliefert rund 900 Gastronomiebetriebe mit eigenem Fuhrpark. Die Touren waren über Jahre gewachsen, viele Kunden wurden je nach Bestelleingang an wechselnden Tagen angefahren. Die Kunden wurden geokodiert, mit Mengen aus zwölf Monaten verknüpft und zu kompakten Tourengebieten mit festen Liefertagen zusammengefasst.

Ergebnis Beispiel: Jedes Fahrzeug fährt nun pro Tag ein zusammenhängendes Gebiet an. In der Modellrechnung sanken die gefahrenen Kilometer um rund 12 %, und jeder Kunde kennt seinen Liefertag und Bestellschluss.

Baustoffhandel

Lieferzonen für Frachtpauschalen

Ein Baustoffhändler mit zwei Standorten berechnete Baustellenlieferungen bisher nach Luftlinie. Weil ein Fluss mit wenigen Brücken das Liefergebiet teilt, lagen manche nahe Orte zeitlich weit entfernt. Auf Basis von Fahrzeitzonen wurden Lieferzonen je Postleitzahl gebildet und jeder Zone eine Frachtpauschale und der zuständige Standort zugeordnet.

Ergebnis Beispiel: Der Innendienst sieht bei der Auftragserfassung anhand der Postleitzahl sofort Zone, Pauschale und Lieferstandort. Lieferungen vom ungünstiger gelegenen Standort entfallen.

Textilservice

Rahmentouren für Pflegeeinrichtungen

Ein Textilservice holt Wäsche bei Pflegeheimen, Kliniken und Hotels ab und liefert sie gereinigt zurück, überwiegend im Wochenrhythmus. Mit easymap professional und dem Tourenplanungs-Add-on wurden Rahmentouren mit festen Rhythmen für das ganze Jahr geplant und Fahrt- und Standzeiten je Fahrzeug und Tag gegenübergestellt.

Ergebnis Beispiel: Die Planung zeigte, dass ein Fahrzeug an zwei Wochentagen regelmäßig überlastet war. Durch das Verschieben von 14 Kunden auf andere Liefertage ließ sich die Überlast ohne zusätzliches Fahrzeug abbauen.

Typische Projektsituationen, anonymisiert; Zahlen sind Rechenbeispiele.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Logistikplanung und Tourenplanung?

Die strategische Logistikplanung legt fest, wie Liefer- und Tourengebiete geschnitten werden, an welchen Tagen wo geliefert wird und wie viele Fahrzeuge nötig sind. Die operative Tourenplanung bestimmt täglich, welches Fahrzeug welche Stopps in welcher Reihenfolge fährt. Die erste schafft den Rahmen, die zweite nutzt ihn.

Wie plane ich Liefergebiete?

Kundenadressen werden geokodiert, mit Mengen und Rhythmen verknüpft und zu kompakten Gebieten aus Postleitzahlen oder Gemeinden zusammengefasst. Jedes Gebiet sollte zu Fahrzeugkapazität und Schichtzeit passen und feste Liefertage erhalten. Geomarketing-Software macht dabei verschiedene Varianten vergleichbar.

Kann easymap Lkw-Touren mit Beladung und Zeitfenstern optimieren?

Für die tägliche Disposition mit Beladung, Zeitfenstern und aktueller Auftragslage sind spezialisierte Tourenplanungssysteme die bessere Wahl. easymap professional mit dem Tourenplanungs-Add-on eignet sich für die Planung der Gebiete und für strategische Rahmentouren mit festen Rhythmen.

Welche Daten brauche ich für die Planung von Tourengebieten?

Kundenadressen, Mengen je Kunde und Lieferung, Lieferrhythmen und Zeitfenster, dazu Anzahl und Kapazität der Fahrzeuge, Schichtzeiten und die Standorte von Lager und Depots. Straßennetz und Fahrzeiten bringt die Software mit; zusätzliche Gebietsebenen liefern wir als digitale Landkarten.

Wie oft sollten Liefergebiete überprüft werden?

Spätestens dann, wenn sich Kundenstamm, Mengen, Fuhrpark oder Lagerstandorte deutlich ändern. Eine jährliche Überprüfung ist sinnvoll; mit einer gepflegten Gebietsstruktur in der Software ist sie schnell erledigt.

Ist die Tourenplanung im Außendienst dasselbe?

Die Methoden sind verwandt, die Ziele unterscheiden sich: Im Außendienst geht es um Besuchsrhythmen und Kundenzeit, in der Logistik um Mengen, Kapazitäten und Lieferzeiten. Mehr zur Planung von Besuchstouren lesen Sie unter Tourenplanung im Außendienst.

Weiterführend

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Liefer- und Tourengebiete neu planen

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