In vielen Unternehmen liegen die wichtigsten Zahlen längst in Power BI: Umsätze, Aufträge, Kunden, Filialkennzahlen. Fast alle davon haben einen Ortsbezug – und trotzdem bleibt die Karte in vielen Berichten Dekoration. Geografische Analysen in Power BI werden erst dann aussagekräftig, wenn Postleitzahlen, Gebiete und Marktdaten sauber im Datenmodell verankert sind. Hier lesen Sie, wie Geomarketing mit Power BI gelingt, welche Karten-Visuals sich wofür eignen und wo eine spezialisierte Geomarketing-Software sinnvoll ergänzt. Die passenden Karten und Daten liefern wir Ihnen dazu.
Warum geografische Analysen im Power-BI-Dashboard?
Eine Tabelle sagt, wie viel verkauft wurde. Eine Karte zeigt, wo – und vor allem, wo nicht. Typische Fragestellungen im BI-Alltag:
- Umsatz je Region: Wo liegen die umsatzstarken Postleitzahlgebiete, wo die weißen Flecken, und was hat sich gegenüber dem Vorjahr verändert?
- Potenzialausschöpfung: Wie viel Umsatz erzielen Sie im Verhältnis zu Kaufkraft, Einwohnern oder der Zahl der Betriebe im Gebiet? Hier zeigt sich, wo noch Luft nach oben ist.
- Außendienstgebiete: Wie verteilen sich Umsatz, Kunden und Zielerreichung auf die Vertriebsgebiete – und sind die Gebiete überhaupt vergleichbar?
- Filialvergleich: Welche Standorte schöpfen ihr Einzugsgebiet gut aus, welche bleiben hinter dem zurück, was Kaufkraft und Wettbewerb erwarten lassen? Wie man das methodisch angeht, zeigt die Filialnetzanalyse.
Der besondere Vorteil von Power BI: Die Karte ist mit allen anderen Visuals verbunden. Ein Klick auf ein Gebiet filtert Kundenliste, Zeitreihe und Kennzahlen – die Karte wird zum Navigationselement des Berichts.
PLZ-Karte in Power BI: welches Karten-Visual wofür?
Power BI bringt mehrere Karten-Visuals mit, weitere lassen sich aus dem Marketplace ergänzen. Sie unterscheiden sich vor allem darin, woher die Grenzen kommen und ob Ortsangaben über einen Online-Dienst geokodiert werden.
| Visual | geeignet für | Hinweis |
|---|---|---|
| Karte (Blasenkarte) | Standorte, Kunden oder Werte als Punkte bzw. Blasen | Ortsangaben werden online geokodiert; Breiten- und Längengrad sind am zuverlässigsten |
| Flächenkarte (Flächenkartogramm) | Standardgebiete wie Bundesländer oder Postleitzahlen einfärben | Grenzen liefert der Kartendienst; Stand und Detailgrad lassen sich nicht steuern, eigene Gebiete nicht darstellen |
| Formkarte (Shape Map) | eigene Flächen: PLZ, Kreise, Vertriebsgebiete, Spezialkarten | braucht eine TopoJSON-Datei; keine Geokodierung, aber auch keine Hintergrundkarte |
| Azure-Maps-Visual | Punkte, Blasen, Heatmaps und Flächen in mehreren Ebenen kombinieren | Online-Kartendienst von Microsoft; Freigabe durch die Power-BI-Administration prüfen |
| ArcGIS for Power BI | weitergehende räumliche Analysen und Hintergrundkarten | einige Funktionen und Inhalte nur mit ArcGIS-Konto |
| Weitere Visuals aus dem Marketplace | Spezialfälle wie Routen, Cluster oder eigene Kartenstile | Anbieter, Datenschutz und Lizenzbedingungen im Einzelfall prüfen |
Microsoft stellt die älteren, Bing-basierten Karten-Visuals schrittweise auf Azure Maps um. Prüfen Sie deshalb bei neuen Berichten den aktuellen Stand in Ihrer Umgebung und setzen Sie bevorzugt auf Visuals, die weiter gepflegt werden. Für eigene Gebietsgrenzen ist die Formkarte mit TopoJSON der naheliegende Weg; das Azure-Maps-Visual kann eigene Flächen zusätzlich als Referenzebene einblenden.
So setzen Sie Geodaten in Power BI sinnvoll ein
Datenkategorien setzen und PLZ immer mit dem Land kombinieren
Power BI erkennt Ortsangaben nicht zuverlässig von selbst. Weisen Sie in den Spaltentools jeder geografischen Spalte die passende Datenkategorie zu – etwa Postleitzahl, Ort, Land/Region, Breitengrad oder Längengrad. Kombinieren Sie Postleitzahlen außerdem immer mit dem Land: Fünfstellige Postleitzahlen gibt es auch in Frankreich, Italien, Spanien oder den USA, und ohne Länderangabe landet „10115“ schnell auf dem falschen Kontinent. Bewährt hat sich eine eigene Spalte „Land“ oder eine berechnete Spalte wie „10115, Deutschland“. Die Postleitzahl gehört dabei als Text ins Modell, mit führender Null – sonst wird aus 01067 die Zahl 1067.
Koordinaten statt Adressen
Am eindeutigsten sind Koordinaten. Statt Adressen im Bericht von einem Online-Dienst auflösen zu lassen, geokodieren Sie Kunden und Standorte einmalig – in einer Geomarketing-Software oder über unsere Geokodierung als Dienstleistung – und speichern Breiten- und Längengrad im Datenmodell. Das ist schneller, genauer, reproduzierbar und datenschutzfreundlicher.
Gebietszuordnung: eine Tabelle „PLZ → Vertriebsgebiet“
Vertriebsgebiete kennt kein Kartendienst. Sie entstehen im Datenmodell über eine Zuordnungstabelle: eine Zeile je Postleitzahl, dazu Gebiet, Außendienstmitarbeiter, Region und gegebenenfalls Innendienst. Diese Tabelle verbinden Sie über die PLZ mit Umsatz- und Kundendaten. Ändert sich der Gebietszuschnitt, tauschen Sie nur die Tabelle aus, und alle Berichte ziehen mit. Wer Vorjahre auf dem damaligen Zuschnitt auswerten möchte, versieht die Tabelle mit einem Gültigkeitszeitraum.
Hierarchien: Land → Bundesland → Kreis → PLZ
Mit einer geografischen Hierarchie bohren Sie per Drill-down von der Deutschlandkarte bis zur einzelnen Postleitzahl. Eine Tücke kennen viele nicht: Postleitzahlgebiete folgen nicht den Verwaltungsgrenzen. Einzelne PLZ-Gebiete schneiden Gemeinde-, Kreis- und sogar Landesgrenzen. Für eine saubere Hierarchie braucht es deshalb eine Zuordnungstabelle, die jede Postleitzahl eindeutig einem Kreis und Bundesland zuweist – etwa nach der überwiegenden Fläche oder Einwohnerzahl. Eine solche Tabelle stellen wir Ihnen auf Wunsch passend zum Kartenstand zusammen.
Kennzahlen normieren statt absolute Werte färben
Die häufigste Schwäche von Karten in BI-Berichten: Sie zeigen absolute Werte. Dann leuchten Berlin, Hamburg und München, und die Karte sagt vor allem, wo viele Menschen wohnen. Aussagekräftiger sind normierte Kennzahlen: Umsatz je 1.000 Einwohner, Kunden je 100 Haushalte, Umsatz je Betrieb oder die Ausschöpfung der Kaufkraft. Der Kaufkraftindex mit dem Bundesdurchschnitt von 100 eignet sich als Vergleichsmaßstab: Liegt Ihr Umsatzindex in einem Gebiet deutlich unter dem Kaufkraftindex, bleibt dort Potenzial liegen.
Wichtig dabei: Indizes nie summieren oder einfach mitteln. Den Kaufkraftindex eines Vertriebsgebiets berechnen Sie aus der absoluten Kaufkraft und den Einwohnern der zugehörigen Postleitzahlen – nicht als Durchschnitt der PLZ-Indizes.
Eigene Gebietskarten mit der Formkarte (Power BI Shape Map)
Für eigene Gebiete – 5-stellige Postleitzahlen in festem Kartenstand, Kreise, Vertriebsgebiete oder Spezialkarten – ist die Formkarte das Mittel der Wahl. Sie erwartet eine TopoJSON-Datei, in der jede Fläche einen Schlüssel trägt, der exakt den Werten in Ihrem Datenmodell entspricht. So kommen Sie dahin:
- Ausgangsdaten: eine Karte als Shapefile oder GeoJSON in WGS84, zum Beispiel unsere digitalen Landkarten.
- Zusammenfassen: Für Vertriebsgebiete werden die PLZ-Flächen je Gebiet zu einer Fläche verschmolzen – in einem GIS wie QGIS oder in Ihrer Geomarketing-Software.
- Generalisieren: Grenzlinien topologieerhaltend vereinfachen. Eine hochdetaillierte PLZ-Karte ist für ein Dashboard viel zu schwer; generalisiert schrumpft sie auf einen Bruchteil, und die Darstellung bleibt flüssig.
- Umwandeln: in TopoJSON konvertieren, zum Beispiel mit dem Werkzeug Mapshaper, das auch die Vereinfachung übernimmt.
- Einbinden: in den Formatoptionen der Formkarte die eigene Karte hinzufügen und die Schlüssel zuordnen.
Marktdaten als Tabelle verknüpfen
Erst mit Marktdaten wird aus der Karte eine Geomarketing-Analyse. Kaufkraft, Einwohner und Haushalte, Altersstruktur, Einzelhandelszentralität oder Firmenpotenziale kommen als ganz normale Tabelle je Gebiet ins Modell und werden über den Gebietsschlüssel verbunden – wie jede andere Dimensionstabelle. Achten Sie auf zwei Dinge: Karte, Zuordnungstabelle und Marktdaten sollten denselben Gebietsstand haben, und die Lizenz der Daten muss zum Kreis der Berichtsempfänger passen. Ein Bericht im internen Arbeitsbereich ist etwas anderes als eine Veröffentlichung im Web oder die Freigabe an Händler. Welche Daten es gibt, zeigt die Übersicht der Markt- und Potenzialdaten; für internationale Daten oder Spezialquellen vermittelt p17-data.de herstellerneutral.
Datenschutz: Geokodierung über Online-Dienste
Karte, Flächenkarte und Azure-Maps-Visual übergeben Ortsangaben zur Geokodierung an einen Online-Kartendienst von Microsoft. Bei Postleitzahlen und Orten ist das meist unkritisch, bei Adressen von Privatkunden dagegen ein Thema für Ihren Datenschutzbeauftragten. Dasselbe gilt für die Kartendiagramme in Excel. In vielen Organisationen regelt die Power-BI-Administration außerdem zentral, ob Karten-Visuals überhaupt genutzt werden dürfen. Datensparsame Alternativen: Werte vorab auf Postleitzahlen verdichten, Adressen einmalig geokodieren und nur Koordinaten übergeben oder die Formkarte nutzen, die mit der eingebetteten Kartendatei arbeitet.
Wo Power BI an Grenzen stößt – und was dann hilft
Power BI ist ein hervorragendes Werkzeug, um Kennzahlen räumlich darzustellen und zu vergleichen. Planen kann es nicht:
- Gebietsplanung und -optimierung: Gebiete nach Potenzial, Kundenzahl oder Arbeitslast ausgleichen, Wohnorte der Mitarbeiter berücksichtigen, Varianten durchspielen – das leisten easymap professional und RegioGraph Planning.
- Fahrzeiten und Erreichbarkeit: Fahrtzeitzonen, Einzugsgebiete und Isochronen berechnen Geomarketing-Programme auf Basis eines Straßennetzes – mehr unter Erreichbarkeitsanalyse.
- Standortbewertung: Einzugsgebiete, Wettbewerb und Marktanteile modellieren, etwa mit der Huff-Analyse in RegioGraph Strategy.
Bewährt hat sich die Arbeitsteilung: Geplant wird in der Geomarketing-Software, berichtet in Power BI. Die Ergebnisse – Zuordnungstabelle „PLZ → Gebiet“, Einzugsgebiete je Filiale, Gebietsflächen als TopoJSON – wandern ins Datenmodell und stehen dort allen Berichtsempfängern zur Verfügung. Sollen Karten unternehmensweit im Browser geteilt werden, ist der Web-Kartendienst von easymap enterprise eine Alternative – oder, wenn niemand selbst planen muss, ein Geomarketing-Portal auf Basis des easymap explorer. Soll die Karte direkt im CRM oder in einer eigenen Anwendung erscheinen, lohnt ein Blick auf individuelle Geomarketing-Software. Und wenn Sie lieber nicht selbst basteln: Im Geomarketing-Service bereiten wir Karten und Tabellen fertig für Ihr Dashboard auf.