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p17 GmbHGeschäftsbereich Geomarketing

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Anwendung: Huff-Modell

Huff-Analyse: Wie verteilen sich Kunden auf mehrere Standorte?

Drei Märkte in einer Stadt – bei welchem kaufen die Menschen aus welchem Viertel ein? Das Huff-Modell beantwortet diese Frage mit Attraktivität und Fahrzeit aller Standorte und liefert daraus Marktanteile und erwartete Umsätze, auch für Szenarien wie eine Erweiterung oder eine neue Konkurrenz.

Beispiel: Huff-Analyse mit drei Märkten in einer Stadt

Was die Huff-Analyse liefert

Einkaufswahrscheinlichkeit

Für jedes Wohngebiet die Wahrscheinlichkeit, mit der seine Bewohner jeden erreichbaren Standort aufsuchen.

Marktanteilszonen

Auf der Karte wird sichtbar, wo ein Standort dominiert, wo er sich den Markt teilt und wo er kaum eine Rolle spielt.

Erwarteter Umsatz

Wahrscheinlichkeit mal Kaufkraft, summiert über alle Wohngebiete: das Umsatzpotenzial jedes Standorts.

Szenarien

Neue Filiale, Erweiterung, Schließung oder die Ansiedlung eines Wettbewerbers – und wem das Umsatz kostet.

Kalibrierung

Die Parameter werden an den bekannten Umsätzen Ihrer Standorte abgestimmt, bevor Prognosen entstehen.

Kleinräumige Ergebnisse

Auf GEOmarket- oder Straßenabschnittsebene statt grober Durchschnittswerte je Postleitzahl.

Gibt es in einer Stadt nur einen Anbieter, ist die Sache einfach: Wer kaufen will, fährt dorthin. Sobald es mehrere Standorte gibt – eigene und fremde –, teilen sich die Kunden auf. Die Huff-Analyse beschreibt, wie: Mit dem Huff-Modell, einem Gravitationsmodell aus der Handelsforschung, lässt sich für jedes Wohngebiet berechnen, mit welcher Wahrscheinlichkeit seine Bewohner welchen Standort aufsuchen. Daraus ergeben sich Marktanteile, Einzugsgebiete mehrerer Standorte und erwartete Umsätze.

Mehrere Standorte in einem Ort: Wie verhalten sich die Kunden?

Die Frage stellt sich immer dann, wenn Standorte um dieselbe Nachfrage konkurrieren: Ein Filialist plant einen weiteren Markt in einer Stadt, in der er schon vertreten ist. Ein Wettbewerber kündigt eine Ansiedlung an. Eine Filiale soll erweitert, verlagert oder geschlossen werden. Oder eine Kommune möchte wissen, wie sich ein neues Fachmarktzentrum auf die Innenstadt auswirkt.

Eine Fahrzeitzone allein hilft hier nicht weiter: Sie zeigt, wer einen Standort erreichen kann, aber nicht, wie sich die Kunden zwischen mehreren erreichbaren Standorten entscheiden. Genau das leistet die Huff-Analyse. Relevant ist sie vor allem für Lebensmittel- und Fachhandel, Drogerien, Bau- und Gartenmärkte, Möbelhäuser, Tankstellen, Gastronomieketten und Einkaufszentren.

Das Huff-Modell verständlich erklärt

Das Modell beruht auf einer Beobachtung, die jeder aus dem eigenen Einkaufsverhalten kennt: Ein Standort zieht Kunden umso stärker an, je attraktiver er ist, und umso schwächer, je weiter der Weg dorthin ist. Gibt es Alternativen, verteilt sich die Nachfrage. In einer Formel:

P(i,j) = (S(j) hoch α ÷ d(i,j) hoch β) ÷ Summe über alle k von (S(k) hoch α ÷ d(i,k) hoch β)

  • P(i,j) ist die Wahrscheinlichkeit, dass Kunden aus Wohngebiet i beim Standort j einkaufen.
  • S(j) ist die Attraktivität des Standorts, meist die Verkaufsfläche, gegebenenfalls ergänzt um Format oder Sortiment.
  • d(i,j) ist die Distanz zwischen Wohngebiet und Standort, am besten als Fahrzeit.
  • α gewichtet die Attraktivität, β den Raumwiderstand, also wie stark die Bereitschaft zu fahren mit der Entfernung abnimmt.
  • Im Nenner steht die Summe über alle Standorte k, die für das Wohngebiet in Frage kommen – einschließlich der Wettbewerber.

In Worten: Die Anziehungskraft eines Standorts wird ins Verhältnis zur Anziehungskraft aller Standorte gesetzt. Multipliziert man die Wahrscheinlichkeit mit der Kaufkraft des Wohngebiets und summiert über alle Wohngebiete, ergibt sich der erwartete Umsatz des Standorts.

Beispielrechnung: drei Märkte in einer Stadt

Eine fiktive Stadt hat drei Wohnviertel und drei Lebensmittelmärkte: Markt A (1.500 m²) im Zentrum, Markt B (800 m²) im Norden und Markt C (2.500 m²) in einem Fachmarktzentrum im Süden. Die Tabelle zeigt die Fahrzeiten und die Kaufkraft für Lebensmittel je Viertel.

Wohnviertel Fahrzeit zu A Fahrzeit zu B Fahrzeit zu C Kaufkraft Lebensmittel
Nord 6 min 2 min 12 min 8 Mio. €
Mitte 3 min 6 min 8 min 12 Mio. €
Süd 8 min 12 min 4 min 10 Mio. €
Ergebnis Markt A Markt B Markt C
Anteil im Viertel Nord 16 % 77 % 7 %
Anteil im Viertel Mitte 73 % 10 % 17 %
Anteil im Viertel Süd 13 % 3 % 84 %
Erwarteter Umsatz 11,3 Mio. € 7,6 Mio. € 11,0 Mio. €

Zwei Dinge fallen auf. Der größte Markt C erzielt nicht den höchsten Umsatz, weil er am Stadtrand liegt und das Zentrum nur schwach erreicht. Und der kleine Markt B erwirtschaftet je Quadratmeter am meisten, weil er das Nordviertel nahezu allein versorgt.

Wie stark allein die Wahl des Exponenten β das Ergebnis verschiebt, zeigt eine weitere Beispielrechnung im Beitrag RegioGraph und das Huff-Modell.

Parameter und Kalibrierung

Die Parameter entscheiden über das Ergebnis. β ist bei Gütern des täglichen Bedarfs meist höher, denn für Lebensmittel oder Drogerieartikel fährt kaum jemand weit. Bei Möbeln, Gartenbedarf oder Fachmärkten ist β niedriger. α bestimmt, wie stark Größe und Attraktivität zählen. Und die Attraktivität selbst kann mehr sein als die Verkaufsfläche: Format, Sortiment, Lage, Parkplätze oder die direkte Nachbarschaft anderer Geschäfte. Welche Parameter RegioGraph dafür anbietet, beschreibt die Seite Standortanalyse.

Verlässlich wird das Modell erst durch Kalibrierung: Die Parameter werden so eingestellt, dass das Modell die bekannten Umsätze Ihrer bestehenden Standorte möglichst gut nachbildet. Zusätzlich lassen sich Kundenherkunftsdaten, etwa aus Kundenkarten, oder Frequenzdaten zum Abgleich nutzen. Erst danach werden neue Standorte oder Szenarien bewertet.

Ergebnisse: Marktanteilszonen und erwarteter Umsatz

Auf der Karte entstehen Marktanteilszonen: Flächen, in denen ein Standort zum Beispiel über 50 %, 25 bis 50 % oder unter 25 % der Nachfrage auf sich zieht. Dazu kommen Potenzialzonen, die zeigen, wie viel Kaufkraft ein Standort aus welchem Gebiet bindet, und der erwartete Umsatz je Standort. Bei Szenarien wird die Differenz zum Ist interessant: Wer gewinnt, wer verliert, und wie viel davon trifft das eigene Netz? Damit ist die Huff-Analyse ein zentrales Werkzeug der Filialnetzanalyse und der Expansionsplanung. In der White-Spot-Analyse schätzt sie, wie viel Umsatz ein neuer Standort in einem weißen Fleck erwarten kann.

Das Huff-Modell bewertet Standorte, die bereits feststehen oder konkret zur Wahl stehen. Soll dagegen aus vielen möglichen Orten die beste Kombination mehrerer Standorte gesucht werden, kommen normative Standortmodelle wie p-Median oder Covering zum Einsatz.

Welche Daten die Huff-Analyse braucht

Baustein Daten Woher
Nachfrage Einwohner, Haushalte, Kaufkraft bzw. Sortimentskaufkraft, möglichst kleinräumig Kaufkraft, Markt- und Potenzialdaten
Angebot eigene und fremde Standorte mit Verkaufsfläche, Format, Sortiment eigene Daten, Wettbewerbsanalyse, Standortdaten des Einzelhandels
Raumwiderstand Fahrzeiten zwischen Wohngebieten und Standorten Geomarketing-Software mit Straßennetz
Kalibrierung Umsätze eigener Standorte, Kundenherkunft, Frequenzen eigene Daten, vermittelte Bewegungsdaten

Die größte Hürde ist meist die Angebotsseite: Verkaufsflächen von Wettbewerbern sind nicht immer bekannt und müssen recherchiert oder geschätzt werden. Kleinräumige Kaufkraft- und Standortdaten vermitteln wir herstellerneutral, auch über p17-data.de.

Umsetzung in RegioGraph Strategy

RegioGraph Strategy enthält das Gravitationsmodell und berechnet für einen oder mehrere Standorte straßenabschnittsgenau Marktanteilszonen, Potenzialzonen und Einzugsgebiete. Die GfK Kaufkraft für Deutschland, Österreich und die Schweiz ist im Lieferumfang enthalten, Endverbraucherpotenziale auf Straßenabschnittsebene gibt es optional. easymap professional und RegioGraph Planning berechnen Fahrzeitzonen, aber kein Huff-Modell.

Grundsätzlich lässt sich das Modell auch in Excel oder QGIS nachrechnen, wenn eine Fahrzeitmatrix vorliegt. Für drei Viertel und drei Märkte ist das eine gute Übung, für eine ganze Stadt auf Straßenabschnittsebene wird es schnell unhandlich. Wer das Modell nur für eine Entscheidung braucht, beauftragt die Analyse am besten als Projekt im Rahmen unserer Standortanalyse.

Grenzen des Huff-Modells

  • Vereinfachtes Verhalten: Das Modell kennt nur Attraktivität und Entfernung. Einkäufe auf dem Arbeitsweg, Kopplungskäufe, Markentreue oder Online-Handel bildet es nur indirekt ab.
  • Geschlossener Raum: Zu- und Abflüsse über die Grenzen des Untersuchungsraums, etwa durch Pendler oder Touristen, müssen gesondert berücksichtigt werden.
  • Parameterempfindlichkeit: Kleine Änderungen an α und β verschieben Umsätze deutlich. Ohne Kalibrierung sind Prognosen kaum belastbar.
  • Datenqualität: Fehlt ein wichtiger Wettbewerber in der Liste, wird allen anderen zu viel Umsatz zugeschrieben.

So läuft eine Huff-Analyse ab

  1. Untersuchungsraum und Sortiment festlegenWelche Stadt oder Region, welche Warengruppe und welche Anbieter gehören dazu? Das bestimmt Nachfrage, Wettbewerber und Parameter.
  2. Nachfrage aufbereitenEinwohner, Haushalte und Sortimentskaufkraft werden für kleine Gebietseinheiten bereitgestellt – je feiner, desto aussagekräftiger.
  3. Angebot erfassenEigene Standorte und Wettbewerber mit Adresse, Verkaufsfläche, Format und weiteren Merkmalen der Attraktivität.
  4. Fahrzeiten berechnenFür jede Kombination aus Wohngebiet und Standort wird die Fahrzeit über das Straßennetz ermittelt.
  5. Modell kalibrierenAttraktivitäts- und Distanzparameter werden so eingestellt, dass das Modell die bekannten Umsätze Ihrer Standorte möglichst gut trifft.
  6. Szenarien rechnen und prüfenMarktanteilszonen und Umsätze für Ist und Szenarien, anschließend Plausibilitätsprüfung mit Ortskenntnis und Vor-Ort-Besichtigung.

Praxisbeispiele zur Huff-Analyse

Lebensmitteleinzelhandel

Ein Wettbewerber kündigt sich an

Ein selbstständiger Kaufmann mit zwei Supermärkten in einer Mittelstadt erfuhr von der geplanten Ansiedlung eines Discounters. Im Huff-Modell wurden alle Lebensmittelanbieter der Stadt mit Verkaufsfläche erfasst, der neue Wettbewerber am geplanten Standort ergänzt und die Umsatzverschiebung berechnet.

Ergebnis Beispiel: Markt 1 verliert im Modell rund 9 % Umsatz, Markt 2 nur rund 3 %. Modernisierung und Parkplatzerweiterung wurden deshalb bei Markt 1 vorgezogen.

Gartencenter

Zwei Flächen am Stadtrand im Vergleich

Ein Gartencenter-Betreiber hatte zwei Flächen am Rand einer Großstadt in Aussicht. Weil Kunden für Gartenbedarf weitere Wege in Kauf nehmen, wurde mit einem schwachen Distanzwiderstand gerechnet. Einbezogen wurden eigene Märkte, Wettbewerber und Baumärkte mit Gartenabteilung.

Ergebnis Beispiel: Die auf den ersten Blick schlechter erreichbare Fläche erzielt im Modell den höheren Umsatz, weil sich ihr Einzugsgebiet weniger mit einem großen Wettbewerber und dem eigenen Bestandsmarkt überschneidet.

Drogeriefachhandel

Kalibrierung vor der Prognose

Ein regionaler Drogeriefilialist wollte das Modell für künftige Standortentscheidungen nutzen. Zunächst wurden die Parameter an den Umsätzen der zwölf bestehenden Filialen abgestimmt, bevor neue Standorte bewertet wurden.

Ergebnis Beispiel: Mit Standardparametern lagen die Modellumsätze im Mittel 18 % neben den tatsächlichen, nach der Kalibrierung noch 7 %. Erst damit waren Prognosen für neue Standorte belastbar.

Typische Projektsituationen, anonymisiert; Zahlen sind Rechenbeispiele.

Häufige Fragen

Was ist das Huff-Modell?

Das Huff-Modell ist ein Gravitationsmodell aus der Handelsforschung. Es berechnet, mit welcher Wahrscheinlichkeit Kunden aus einem Wohngebiet einen bestimmten Standort aufsuchen – abhängig von dessen Attraktivität und Entfernung im Vergleich zu allen anderen erreichbaren Standorten. Hintergründe finden Sie im Beitrag RegioGraph und das Huff-Modell.

Wie lautet die Formel des Huff-Modells?

P(i,j) = (S(j) hoch α ÷ d(i,j) hoch β) ÷ Summe über alle k von (S(k) hoch α ÷ d(i,k) hoch β). Dabei ist P die Einkaufswahrscheinlichkeit von Wohngebiet i für Standort j, S die Attraktivität, etwa die Verkaufsfläche, d die Distanz oder Fahrzeit und α und β sind Parameter.

Welche Werte haben α und β?

Es gibt keine allgemeingültigen Werte. β ist bei Gütern des täglichen Bedarfs meist höher, weil die Bereitschaft zu fahren schnell abnimmt, und bei Möbeln, Gartenbedarf oder Fachmärkten niedriger. Belastbare Werte entstehen durch Kalibrierung an den Umsätzen bestehender Standorte.

Was ist der Unterschied zwischen Huff-Analyse und Fahrzeitzonen?

Eine Fahrzeitzone zeigt, wer einen Standort in einer bestimmten Zeit erreicht. Die Huff-Analyse berücksichtigt zusätzlich alle konkurrierenden Standorte und ihre Attraktivität und verteilt die Nachfrage jedes Wohngebiets anteilig. Mehr zu Fahrzeitzonen bei der Erreichbarkeitsanalyse.

Welche Daten brauche ich für eine Huff-Analyse?

Kleinräumige Nachfragedaten wie Einwohner, Haushalte und Kaufkraft oder Sortimentskaufkraft, die eigenen und fremden Standorte mit Verkaufsfläche und Format, Fahrzeiten über das Straßennetz sowie zur Kalibrierung die Umsätze eigener Standorte.

Welche Software rechnet das Huff-Modell?

RegioGraph Strategy enthält das Gravitationsmodell mit Marktanteilszonen, Potenzialzonen und Einzugsgebieten. easymap professional und RegioGraph Planning berechnen Fahrzeitzonen, aber kein Huff-Modell. Einmalige Analysen führen wir als Projekt durch.

Wie genau sind die Ergebnisse einer Huff-Analyse?

So genau wie Daten und Parameter. Ein kalibriertes Modell mit kleinräumiger Kaufkraft und vollständiger Wettbewerbsliste liefert eine gute Entscheidungsgrundlage. Es bleibt aber ein Modell: Mikrolage, Markenbindung oder Online-Handel bildet es nur begrenzt ab. Die Vor-Ort-Prüfung ersetzt es nicht.

Weiterführend

Passende Anwendungen und Software

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Huff-Analyse für Ihre Standorte

Sie planen eine Eröffnung, Erweiterung oder Verlagerung – oder ein Wettbewerber kündigt sich an? Wir rechnen die Szenarien mit dem Huff-Modell durch, von der Datenauswahl bis zur Kalibrierung.

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