Kaum eine Branche ist so stark räumlich organisiert wie die Energiewirtschaft. Netze haben Grenzen, die Grundversorgung ist je Netzgebiet geregelt, Netzentgelte und damit Tarife hängen vom Ort ab. Geomarketing für Energieversorger und Stadtwerke macht diese Strukturen sichtbar und verbindet sie mit dem, was im Vertrieb zählt: Haushalte, Gebäude, Kunden und Wettbewerb. Das hilft Stadtwerken, Energieversorgern, Netzbetreibern und Energiedienstleistern ebenso wie Anbietern von Photovoltaik und Wärmepumpen.
Ausgangslage: Wettbewerb um Kunden, Wandel bei den Produkten
Seit Strom und Gas frei gewählt werden können, konkurrieren Versorger bundesweit um Haushalte und Gewerbekunden. Vergleichsportale machen Preise transparent, Kunden wechseln schneller. Gleichzeitig verschiebt die Energiewende das Geschäft: Photovoltaik, Speicher, Wärmepumpen, Wallboxen und Wärmenetze werden zu Produkten, die nur zu bestimmten Gebäuden und Haushalten passen. Und Service, Montage und Netzbetrieb brauchen Techniker, die ihre Einsätze ohne lange Umwege erreichen.
Typische Wo-Fragen in der Energiewirtschaft:
- In welchen Netzgebieten sind wir selbst Grundversorger, wo sind es andere?
- Welche Regionen außerhalb unseres Netzgebiets lohnen sich für den Vertrieb?
- Wo kündigen besonders viele Kunden – und warum gerade dort?
- Welche Gebäude eignen sich für Photovoltaik, Wärmepumpe oder Wallbox?
- Wie planen wir Servicetechniker und Montageteams nach Fahrzeit?
- Wo werden öffentliche Ladepunkte gebraucht?
Netzgebiete, Grundversorgung und Marktgebiete auf der Karte
Basis vieler Analysen sind die Spezialkarten der Energiewirtschaft: Stromnetzbetreiber, Grundversorger Strom, Regelzonen Strom, Gasnetzbetreiber, Grundversorger Gas und Marktgebiete Gas. Als Kartenebene zeigen sie, wer wo zuständig ist, und lassen sich mit Postleitzahlen, Gemeinden und Kundendaten überlagern. Für die Tarifkalkulation ist eine Besonderheit wichtig: Netzgebiete folgen meist Gemeinde- oder Konzessionsgrenzen, nicht Postleitzahlen. Liegt ein Postleitzahlgebiet in mehreren Netzen, sollte der Preis über die genaue Adresse ermittelt werden.
Geomarketing für Energieversorger im Vertrieb: Kunden außerhalb des eigenen Netzes
Wer außerhalb des eigenen Grundversorgungsgebiets wachsen will, braucht eine Rangfolge der Zielregionen. Sinnvolle Kriterien sind die Zahl der Haushalte und Betriebe, Kaufkraft, Lebensstile und Wohnsituation, die Netzentgelte im Zielgebiet und die Stellung des dortigen Grundversorgers. Regionen, die dem eigenen Kerngebiet strukturell ähneln – dort, wo Ihr Angebot nachweislich ankommt –, sind gute Kandidaten. Wie sich solche Zwillingsgebiete finden lassen, zeigt die Neukundengewinnung. Für die regionale Aussteuerung von Anzeigen eignet sich die Werbeplanung für Online-Werbung.
Im Geschäft mit Gewerbe- und Industriekunden zählen nicht Haushalte, sondern Betriebe. Gewerbepotenziale je Postleitzahl zeigen, wo viele Unternehmen einer energieintensiven Branche oder Größenklasse sitzen; Firmenadressen liefern die konkreten Ansprechpartner für den Vertrieb. Werden die Betriebe nach Branche und Mitarbeiterzahl auf der Karte verteilt, lassen sich auch die Gebiete der Key-Account-Manager gleichwertig zuschneiden. Wie deren Besuche nach Kundenwert geplant werden, zeigt die Außendienststeuerung.
Kundenbindung: Kündiger erkennen, bevor sie gehen
Im eigenen Gebiet ist Kundenbindung oft wirtschaftlicher als Neukundengewinnung. Werden Kündigungen nicht nur gezählt, sondern verortet, zeigen sich Muster: Häufen sie sich in Neubaugebieten, in bestimmten Lebensstilgruppen, in Stadtteilen, in denen ein Wettbewerber an der Haustür wirbt, oder nach einer Preisanpassung in einem bestimmten Tarif? Die Kündigerquote je Gebiet macht solche Muster vergleichbar. Maßnahmen wie Tarifangebote, Beratung oder Pakete mit Photovoltaik lassen sich dann auf die Gebiete richten, in denen das Risiko am größten ist.
Gebäudedaten: Potenziale für Photovoltaik und Wärmepumpe
Photovoltaik, Wärmepumpe und Wallbox verkaufen sich nicht an „Haushalte“, sondern an Eigentümer passender Gebäude. Gebäudedatenbanken erfassen in Deutschland über 20 Millionen Gebäude mit mehreren hundert Merkmalen, darunter Gebäudeart, Baujahr, Zahl der Wohneinheiten, Heizungsart und Photovoltaik-Eignung. Auf Straßenabschnitts- oder Gebäudeebene zeigen sie, wo viele Ein- und Zweifamilienhäuser mit älteren Heizungen stehen oder wo geeignete Dächer noch ohne Anlage sind. Kombiniert mit Kaufkraft und Altersstruktur entsteht eine Rangliste der Gebiete für Vertrieb und Werbung. Welche Daten in welcher Tiefe verfügbar sind, zeigen die Markt- und Potenzialdaten. Wie gut sich die Dachflächen tatsächlich eignen, bewertet eine Solarpotenzial-Analyse auf Basis von Satelliten- und Luftbildern.
Dieselben Daten sind auch eine Grundlage für die kommunale Wärmeplanung, in der Kommunen festlegen, welche Gebiete künftig über Wärmenetze und welche dezentral versorgt werden sollen. Für Stadtwerke ist das doppelt relevant – als möglicher Betreiber von Wärmenetzen und als Anbieter dezentraler Lösungen. Wir liefern Karten und Daten, die in eine solche Planung einfließen können; die fachliche und rechtliche Planung liegt bei Kommune und Fachplanern.
Auch Netzbetreiber profitieren von dieser Sicht. Photovoltaikanlagen, Wärmepumpen und Wallboxen verändern, wo im Netz Leistung eingespeist und abgenommen wird. Werden Anschlussanfragen und bekannte Anlagen je Straßenabschnitt verortet und mit dem Gebäudebestand verglichen, zeigt die Karte, in welchen Siedlungen besonders viel hinzukommen dürfte – ein Hinweis, wo sich eine genauere Netzberechnung zuerst lohnt. Die technische Netzplanung selbst ersetzt das nicht.
Service, Montage und Einsatzplanung
Zählerwechsel, Wartung, Störungsbehebung, Montage von Anlagen: Servicetechniker und Monteure verbringen viel Zeit auf der Straße. Einsatzgebiete, die nach Fahrzeit und Arbeitslast zugeschnitten sind, verkürzen Wege und verteilen die Arbeit gerecht – wie das geht, zeigt die Gebietsplanung. Für wiederkehrende Einsätze eignet sich eine strategische Tourenplanung. Wo kurzfristige Aufträge dazwischenkommen, hilft eine dynamische Umplanung – die Planungsebenen erklären die Grundlagen der Tourenplanung.
Standorte für Ladeinfrastruktur
Öffentliche Ladepunkte werden dort gebraucht, wo viele Elektrofahrzeuge zugelassen sind, wo Menschen ohne eigenen Stellplatz wohnen – also vor allem in Gebieten mit Mehrfamilienhäusern – und wo Fahrzeuge ohnehin eine Weile stehen, etwa an Supermärkten oder Freizeiteinrichtungen. Kfz-Daten, Gebäudedaten, Points of Interest und Frequenzdaten, die wir herstellerneutral über Markt- und Adressdaten der p17 GmbH vermitteln, bilden die Grundlage. Mit Abdeckungsmodellen lässt sich berechnen, welche Standorte zusammen den größten Teil der Nachfrage in zumutbarer Entfernung erreichen – erklärt bei den Standortmodellen. Lücken im bestehenden Ladenetz zeigt die White-Spot-Analyse.
Karten für die Öffentlichkeitsarbeit
Netzausbau, neue Wärmenetze, Glasfaser oder Ladepunkte: Stadtwerke erklären ihre Projekte gegenüber Bürgern, Politik und Presse. Übersichtliche Karten machen das greifbar – auf der Website, im Kundenmagazin oder als gedruckte Wandkarte für Bürgerversammlungen. Gestalten lassen können Sie solche Karten über unseren Service Karten erstellen. Für veröffentlichte Karten braucht es eine passende Lizenz.
Werkzeuge und Datenschutz
Für Auswertungen und Kundenkarten eignen sich easymap office oder RegioGraph Analysis, für Fahrzeitzonen, Gebiets- und Einsatzplanung easymap professional oder RegioGraph Planning. Viele Versorger arbeiten für ihre Netze zusätzlich mit einem GIS; Spezialkarten und Marktdaten liefern wir dafür als Shapefile oder GeoJSON. Sollen Vertrieb und Service Kunden, Gebiete und Potenziale nur ansehen, eignet sich ein Geomarketing-Portal im Browser.
Kundendaten und Verbrauchswerte sind personenbezogen. Für Vertriebsanalysen genügen meist Werte je Straßenabschnitt oder Postleitzahl, die intern gebildet werden; Markt- und Gebäudedaten sind aggregierte Gebietswerte. Übernehmen wir Aufbereitung oder Geokodierung, geschieht das auf Basis eines Vertrags zur Auftragsverarbeitung.